Operation Ohr

I – Musik und Klang in militärischer Verwendung

Spätestens seit in der Bibel erwähnt wurde, dass die Stadtmauern Jerichos durch den Klang von Posaunen eingestürzt wären, gehören akustische Mittel zum festen Bestandteil militärischer Praxis und Strategie. Armeen des Mittelalters machten sich die identitätsbildende Funktion von Instrumenten wie Dudelsack und Trommel zunutze – und auch heute noch ist man beim Militär davon überzeugt, dass Marschmusik der guten Stimmung innerhalb der Truppe zuträglich ist. Motivierend wirken sollte auch die Neuerung, MP3-Spieler direkt im Cockpit eines Panzers anschließen zu können. Über die im Helm ohnehin eingebauten Kopfhörer ließ sich so jeder Einsatz mit einem individuellen Soundtrack versehen.

Auch die zwangsweise Beschallung eines Gegners gehört zu den gängigen Szenarien militärischen Denkens. Ob im Vietnamkrieg, bei Belagerungen oder in Verhörsituationen: Musik und Klang wurden und werden als Mittel der psychologischen Kriegsführung eingesetzt. Mitunter sorgen aber bereits lediglich die Geräusche der Kriegsmittel für Angst und Schrecken. Das galt für eine dröhnend herannahende Stuka-Fliegerstaffel ebenso wie für das peitschende Schlagen der Rotorblätter eines Kampfhubschrauberverbands oder die massiv und plötzlich auftauchende Lärmwand eines Eurofighters.

Manche Verbindungen von Klang und Militär sind zu modernen Mythen geworden. So hält sich der Glaube an die vermeintliche Schädlichkeit von Infrasound in Kreisen der Gegenkultur bis heute. Und auch die ab Beginn des 21. Jahrhunderts an der Düsseldorfer Universität im Auftrag der Bundeswehr durchgeführten Studien, nach deren Abschluss sich im Rahmen eines nonletalen Waffenpakets klanglich auf Menschenmengen einwirken lassen soll, erscheinen einigermaßen dubios.

Dauer ca. 60 Minuten mit Klangbeispielen, u.a. gehalten 2009 im Rahmen des Kongresses Klangmächte zu Dimensionen akustischer Verletzung und Gewalt an der FU Berlin

 

II – Der Gehörgang als Mittel der Bewusstseinskontrolle

Seit einigen Jahrzehnten forschen Wissenschaftler und Musiker nach Möglichkeiten, die das Ohr als Einlasstor nutzen, um das Bewusstsein zu steuern – von Methoden, um schreiende Babies zu beruhigen bis zum Kommunizieren von Geschäftsinteressen. Das US-Militär nutzte Klang als Mittel zur psychologischen Kriegsführung in Vietnam und Panama. Außerdem erklärte es Musik zu einem Standardmittel in seinem Repertoire der ‘weißen’ Folterinstrumente des 21. Jahrhunderts – angewendet in Guantanamo und dem Irak.

Auch motivationale Aspekte von Musik wurden bei der Armee untersucht. In den Siebzigerjahren gab es die ominöse Spezialeinheit des First Earth Battalions, in der Soldaten u.a. repetetive Musik hörten und sich dabei an den Händen fassen mussten. Heutzutage geben multinationale Konzerne viel Geld aus, um ihre Marken mit Soundlogos zu kommunizieren, wohingegen im urbanen Raum Musik eingesetzt wird, um unerwünschte Leute von bestimmten Orten fernzuhalten.

Dauer ca. 60 Minuten mit Klangbeispielen, u.a. gehalten 2010 im Rahmen des Symposiums SPECTRA zu Verschwörungstheorien in Valencia

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