Sound & Research

solipsistische Musikbetrachtung

Kurz

Magazinbeiträge und Gespräche zu Musikthemen (Auswahl)

 

Kunstsprachen im Pop: Music And Poetry Of The Kesh (Vinyl-Wiederveröffentlichung)

Ursula K. Le Guins Roman Always Coming Home von 1985 über das fiktive Volk der Kesh war der erste bei einem großen Verlag erschienene Roman, dessen Geschichte auch akustisch reflektiert wurde – auf einer Kassette. Die Wiederveröffentlichung der Musik auf Vinyl bietet Gelegenheit, über den Gebrauch von Kunstsprachen in Pop und Avantgarde nachzudenken, denn die von Le Guin entwickelte Fantasiesprache der Kesh war für den Musiker Todd Barton beim Komponieren des Soundtracks von großer Bedeutung. (Beitrag im Kompressor, DLF-Kultur, 26.03.2018, 07’10”)

 

Sinnlicher Erlebnisraum: Iannis Xenakis’ Polytop Persepolis (Vinyl-Wiederveröffentlichung)

Iannis Xenakis’ 55-minütige Noise-Orgie Persepolis wurde 1971 in den Ruinen der gleichnamigen antiken Hauptstadt vor 600 Staatsgästen aus Politik und Adel aufgeführt – anlässlich der 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie. Das Klang- und Lichtspektakel ist eines von fünf Polytopen des französischen Komponisten. Das Konzept zu diesen ortsspezifischen und sinnlichen Erlebnisräumen entstand aufgrund von Xenakis’ Erfahrungen beim Entwickeln des multimedial ausgestatteten Philips-Pavillons auf der Weltausstellung in Brüssel 1958. (Beitrag im Kompressor, DLF-Kultur, 02.03.2018, 05’22”)

 

Glockenspiele und Stofftiergottheiten: Musikpionier Charlemagne Palestine in Berlin

Seinen magischen Stil an Orgel und Klavier sowie beim Singen hat der legendäre Minimal-Musiker Charlemagne Palestine in über vier Jahrzehnten entwickelt. Als Kind in New York ließ er sich gleichermaßen vom Rock’n’Roll der Fünfzigerjahre und jüdisch-chassidischen Traditionen inspirieren, später kamen noch indische Ragas und Operngesang als weitere Quellen dazu. Palestines Konzerte, bei denen er von unzähligen, ihm heiligen Stofftieren umgeben ist, sind ebenso meditativ wie mitreißend. (Gespräch im Kompressor, DLF-Kultur, 14.11.2017, 07’45”)

 

Klangskulpturen über die Erinnerung: Lee Gambles neue CD Mnestic Pressure

Gedächtnis und Erinnerung sind unter Druck geraten und werden von außen manipuliert, sagt der englische DJ und Produzent Lee Gamble. Die künstlerische Umsetzung seines Eindrucks, dass die Welt zu einer Parodie ihrer selbst geworden ist, klingt wie die Fahrt durch eine akustische Geisterbahn, die einen ständig überrascht. (Beitrag im Kompressor, DLF-Kultur, 24.10.2017, 05’00”)

 

Lebende Götter: Vodou Drums in Haiti 2 (CD-Neuveröffentlichung)

Die Musik des Vodou basiert auf intensiven, Trance erzeugenden Rhythmen, mit denen gute Geister angelockt werden. Die Wurzeln der Religion liegen in Westafrika, von wo Anfang des 16. Jahrhunderts der Sklavenhandel in die Neue Welt begann. Im Westen ist die Faszination für Vodou nach wie vor meist bestenfalls mit Halbwissen verbunden. (Gespräch bei Corso, DLF, 16.03.2017, 04’50”)

 

Pop auf Röntgenbildern: Stephen Coates’ Projekt X‑Ray Audio

Ein Telefunken-Phonograph aus den Dreißigerjahren wanderte nach dem 2. Weltkrieg von Berlin über Polen nach Leningrad. Mit ihm wurden dort nicht nur Schallplatten produziert, er wurde auch benutzt, um Musik auf aussortierte Röntgenbilder zu schneiden. Die waren weich genug, damit der Stichel eine Rille hineinschneiden kann, und hart genug, dass die Nadel eines Plattenspielers darin Halt findet. Musik, die Stalin und seine Zensoren nicht haben wollten, wurde so in Form von Unikaten auf dem Schwarzmarkt in Umlauf gebracht. (Gespräch im Kompressor, DLF-Kultur, 28.07.2016, 03’52”)

 

Die Lieder der Tiere: Animal Music (Buchveröffentlichung)

Wenn Tiere Laute von sich geben, ist das oft ein Ausdruck von Müßiggang: weibliche Gorillas singen vor sich hin, während sie ihrem Partner das Fell pflegen, der Gesang von Buckelwalen ändert sich über das Jahr und die Rotrücken-Spottdrossel hat bis zu 2.000 Lieder im Repertoire. Die Autoren Tobias Fischer und Lara Croy betrachten Tiermusik aus einer künstlerischen Perspektive. Ihre Essays beruhen auf Gesprächen mit Musikern und Recordists, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema beschäftigen. (Gespräch im Kompressor, DLF-Kultur, 27.01.2015, 09’28”)

 

Ein Saurier der elektronischen Musik: Max Brandts Höllenmaschine

Den Trip in das Herz einer monströsen Klangmaschine verspricht ein Konzert im Rahmen des CTM-Festivals in Berlin. Der Max-Brandt-Synthesizer ist ein Einzelstück, das der junge Robert Moog zu Beginn der Sechzigerjahre in New York nach Vorstellungen des österreichischen Komponisten Max Brandt entwickelt hat. Da es von einem einzelnen Spieler kaum zu bedienen ist, wird die Komposition Höllenmaschine der Komponistin Elisabeth Schimana von der Pianistin Manon Liu Winter und ihrem Assistenten Gregor Ladenhauf auf der Bühne umgesetzt. (Gespräch im Kompressor, DLF-Kultur, 08.07.2015, 06’00”)

 

Kunst aus Geräuschen: Die Pionierarbeit Wochenende von Walter Ruttmann

“Alles Hörbare der ganzen Welt wird Material!” hatte der Maler, Grafiker und Filmregisseur Walter Ruttmann im Oktober 1929 in seinem Programm einer photographischen Hörkunst proklamiert – und bald darauf mit Wochenende ein Stück nachgelegt, das ganz auf Klängen des Alltags basierte. Ruttmanns Umgang mit Field-Recordings eröffnete der Musik und dem Hörspiel gleichermaßen neue Möglichkeiten, denn so etwas war bislang noch nicht zu hören gewesen. (Beitrag für Cluster, SWR2, 30.01.2016, 04’56”)

 

Mobile Music in the Making: Symposium zu Appmusik an der UdK Berlin

Die Verbindung aus Touch-Display und Sensoren in Smartphones und Tablets bietet neue Möglichkeiten fürs Musikmachen, und bei Entwicklern herrscht großer Enthusiasmus, sie zu erschließen. Das Symposium war eine Bestandsaufnahme, in welche Richtung sich die Anwendungen bewegen: künstlerisch, pädagogisch, therapeutisch, oder einfach nur zum Spielen. (Gespräch im Kompressor, DLF-Kultur, 13.03.2017, 05’00”)

 

Every Time A Ear di Soun: Das Radioprogramm zur documenta 14

Acht über die Welt verteilte Radiostationen gestalten abwechselnd täglich einen mehrstündigen Slot für die Kunstausstellung – angelehnt an die inhaltliche Ausrichtung ihres Senders. Worum es den Stationen im kolumbianischen Barranquilla, in Beirut, Jakarta, Washington D.C., Berlin und Rio de Janeiro geht, konnte man in sechs fünfminütigen Beiträgen bei Fazit hören. (DLF-Kultur, Mai bis September 2017)

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