BERLINNIUM – Maschine

BERLINNIUM – Maschine

Tesla, Berlin, 2007

Von der Praxis des leidenschaftlichen Ortswechsels zum Betrieb der BERLINNIUM-Maschine

Als Generator beständiger, aber uneinheitlicher Felder zeigt die BERLINNIUM-Maschine Tendenzen und Richtungen, wenn es sich denn überhaupt um Richtungen handelt, und nicht etwa um psychogeografische Gefälle, die sich aufzählen, aber nicht festschreiben lassen, weil sie variieren und sich überschneiden, sich vermischen oder abstoßen können. Die Aufzählung dieser Tendenzen ist denn auch nicht repräsentativ, sondern versucht, so viele Orte als möglich zu zeigen, auch unwahrscheinliche Orte, vergangene Stätten und Zukünfte, die niemals gewesen sein werden.

Das die BERLINNIUM-Maschine erzeugende Bildprogramm besteht aus über 2000 Einzelbildern der Stadt, kurzen Videosequenzen (Himmel über der Stadt: Wolkenbewegung, Blitze, Regen, Vögel, Feuerwerk) und Texttafeln (Sprichworte oder seltsame, anscheinend sinnlose Aussagen zur Stadt, Phrasen aus Gassenhauern und BERLINSongs). Das die BERLINNIUM-Maschine erzeugende Audioprogramm besteht aus einem beständigen Strom von BERLIN-Musike und City-Sound. Die aktuelle Liste der BERLIN-Musik umfasst mehr als 200 Titel, von denen etwa 120 beim Betrieb der BERLINNIUM-Maschine Anwendung finden. Dazu gehören historische Aufnahmen (die älteste von 1906), Gassenhauer und Kabarettstücke aus den 1920er Jahren, bekannte BERLIN-Musiken und Schlager (etwa Bolle oder der Sportpalast-Walzer in Originalaufnahme mit dem legendären ‘Pfeifkünstler’ Krücke), seltene Werbeaufnahmen (Ich trink mein Helles auf dein Spezielles), BERLINMusik aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, sozialistische BERLINverherrlichung (Der Alex ist ein Stern aus Asphalt) ebenso wie markant-makabre West-BERLINer-Durchhaltemusike (etwa der BERLINSong des vormaligen Innensenators Heinrich Lummer). Dazu kommt eine umfangreiche Auswahl jüngerer (allen voran Nina Hagen, aber auch Gunter Gabriel, Ingrid Caven, David Bowie, um nur einige zu nennen) und allerjüngster Titel, die eine neue Welle der Hinwendung zur Stadt auszudrücken scheinen: von Technohymnen (Paul van Dyk, Lexy, K-Paul etcetera) über ‘gefühlige’ Balladen (Martin Kesici, Rosenstolz undsofort) bis zu aktueller Popmusik (etwa Jeans Team, Seeed oder Infernal).

Alle Musikstücke wurden bei ausgedehnten Spaziergängen in den Stadtraum BERLIN hinein abgespielt und mitsamt der jeweiligen Atmosphäre neu aufgenommen und re-interpretiert.

Installation der BERLINNIUM-Maschine

Bild- und Musikauswahl erfolgen randomisiert, unter Verwendung einfacher computerbasierter Präsentionsprogramme (iTunes und iViewMediaPro). Die Wiedergabe erfolgt über Videoprojektor und Soundsystem (Kopfhörer).

(mit Heinrich Dubel)

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